Webhosting wechseln

Webhosting wechseln: Schritt für Schritt ohne Ausfallzeit

Vielleicht ist die Website zu langsam, der Support reagiert nicht, die Preise sind gestiegen, oder der Serverstandort liegt außerhalb der EU. Gründe für einen Anbieterwechsel gibt es viele. Was viele davon abhält: die Vorstellung, dass die Website dabei stundenlang offline ist oder Daten verloren gehen.

Das ist bei strukturiertem Vorgehen vermeidbar. Wer die Grundlagen der WordPress-Verwaltung kennt, wechselt den Anbieter ohne Ausfallzeit – und hat danach eine technische Basis, die besser zur Website passt.

⚠️ Wichtig: Ohne Vorkenntnisse sollten Sie das Webhosting nicht selbst wechseln. Folgendes sollten Sie beherrschen:

  • Eine vollständige Sicherung Ihrer Website erstellen und einspielen
  • Dateien per FTP/SFTP übertragen, zum Beispiel mit FileZilla
  • Datenbanken exportieren und importieren, zum Beispiel mit phpMyAdmin
  • Die Konfigurationsdatei wp-config.php anpassen
  • DNS-Einträge verstehen (A-Record, TTL)

Sagen Ihnen diese Begriffe nichts, sollten Sie sich Unterstützung von einem Profi holen.

1. Warum Webhosting wechseln überhaupt zum Thema wird

📝 Definition: Webhosting meint das Bereitstellen von Speicherplatz und technischer Infrastruktur auf einem Server, um Websites rund um die Uhr im Internet verfügbar zu machen. Qualität, Geschwindigkeit, Sicherheit und Support unterscheiden sich zwischen Anbietern erheblich, auch wenn das von außen nicht sofort sichtbar ist.

Die meisten treffen die Entscheidung für ein Hosting beim Start ihrer Website eher beiläufig: Meist fällt die Wahl auf das günstigste Angebot oder das, was der Website-Ersteller empfohlen hat. Das ist nachvollziehbar, doch die Anforderungen ändern sich – was am Anfang ausreicht, kann nach zwei oder drei Jahren zum Engpass werden.

Die häufigsten Gründe für einen Wechsel:

  • Die Website lädt langsam, obwohl technisch alles optimiert ist
  • Der Anbieter hat die Preise erhöht, ohne die Leistung zu verbessern
  • Support-Anfragen bleiben tagelang unbeantwortet
  • Der Server befindet sich außerhalb der EU, was DSGVO-rechtlich problematisch ist
  • Kein automatisches Backup ist inklusive
  • Keine modernen PHP-Versionen sind verfügbar, was für WordPress relevant ist

💡 Tipp: Wenn Ihre Website trotz aller Optimierungsmaßnahmen langsam bleibt, liegt das Problem häufig beim Hosting, nicht bei der Website selbst. Wie Sie die Geschwindigkeit prüfen und verbessern, lesen Sie im Artikel Core Web Vitals optimieren.

2. Webhosting wechseln: Was Sie unbedingt vorher klären müssen

Vor dem eigentlichen Wechsel lohnt sich eine sorgfältige Vorbereitung – sie erspart Ihnen unnötige Probleme im weiteren Verlauf.

2.1 Den richtigen neuen Anbieter wählen

Nicht jedes Hosting ist für jede Website geeignet. Für WordPress-Websites empfehlen sich Anbieter mit optimierter WordPress-Infrastruktur, automatischen Backups, modernen PHP-Versionen und Rechenzentren in Deutschland oder der EU. Letzteres ist für die DSGVO-Konformität relevant.

Bekannte Anbieter mit guter Reputation sind unter anderem Raidboxes, All-Inkl, Hetzner und WebhostOne. Der unabhängige Vergleichsdienst Webhostlist gibt einen strukturierten Überblick über Leistungsmerkmale und Preise.

⚠️ Wichtig: Achten Sie auf den Serverstandort. Nur Server innerhalb der EU entsprechen den aktuellen DSGVO-Anforderungen. Das ist keine technische Präferenz, sondern eine rechtliche Anforderung.

2.2 Vertragslaufzeit beim alten Anbieter prüfen

Prüfen Sie, wann Ihr aktueller Vertrag endet und welche Kündigungsfristen gelten. Hosting-Verträge verlängern sich in der Regel automatisch, wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen. Die Kündigung sollte erst erfolgen, wenn der Umzug vollständig abgeschlossen ist.

2.3 Domain und Hosting trennen

📝 Definition: Die Domain ist Ihre Webadresse, also zum Beispiel ihr-unternehmen.de. Das Hosting ist der Server, auf dem Ihre Website-Dateien liegen. Beides können Sie beim gleichen oder bei verschiedenen Anbietern buchen.

Beim Webhosting wechseln haben Sie die Wahl: Sie ziehen nur das Hosting um und lassen die Domain beim alten Anbieter, oder Sie ziehen beides um. Beides ist möglich, erfordert aber unterschiedliche Schritte.

🔭 Hinweis: Viele Experten empfehlen, Domain und Hosting bewusst bei verschiedenen Anbietern zu halten. So bleiben Sie flexibel: Wird das Hosting schlechter, wechseln Sie, ohne die Domain zu bewegen.

3. Webhosting wechseln: Der Ablauf

Dieser Ablauf gilt für Websites auf Basis von WordPress – dem unter Selbständigen und Unternehmern am weitesten verbreiteten Verwaltungssystem für Website-Inhalte.

3.1 Schritt 1: Vollständiges Backup erstellen

Bevor Sie irgendetwas anderes tun, sichern Sie Ihre komplette Website – alle Dateien und alle Datenbanken. Ein Backup ist hier keine Option, sondern die Grundlage für alles Weitere.

Für WordPress gibt es zuverlässige Plugins für Backups, zum Beispiel UpdraftPlus oder All-in-One WP Migration. Ein vollständiges Backup enthält die WordPress-Dateien und die Datenbank, beides zusammen ergibt Ihre komplette Website. Speichern Sie das Backup lokal auf Ihrem Computer, nicht nur auf dem Server.

📌 Merke: Wer ohne Backup arbeitet, riskiert im Fehlerfall den vollständigen Datenverlust. Die Zeit für eine Sicherung ist gut angelegt.

3.2 Schritt 2: Neues Hosting einrichten und Website kopieren

Richten Sie Ihr Kundenkonto beim neuen Anbieter ein – aber ohne die Domain sofort umzuleiten. Die meisten Anbieter ermöglichen es, eine Website zunächst unter einer temporären Testadresse aufzurufen. So lässt sich alles einrichten, während die alte Website weiterhin erreichbar bleibt.

Kopieren Sie anschließend Ihre Website auf den neuen Server. Das geht manuell über FTP oder über Migrations-Erweiterungen wie All-in-One WP Migration oder Duplicator. Viele Anbieter bieten auch einen eigenen Umzugsservice an.

📝 Definition: FTP (File Transfer Protocol), zu Deutsch Dateiübertragungsprotokoll, ist eine Methode, um Dateien zwischen Ihrem Computer und einem Server zu übertragen.

🧩 Beispiel: Eine Unternehmensberaterin wechselt von einem Discount-Anbieter zu Raidboxes und nutzt das kostenlose Migrations-Plugin des neuen Anbieters. Der gesamte Umzug dauert unter zwei Stunden, inklusive Testphase. Die Website ist dabei zu keinem Zeitpunkt offline.

3.3 Schritt 3: Website auf dem neuen Server testen

Bevor die Domain umgeleitet wird, testen Sie die kopierte Website gründlich:

  • Sind alle Seiten vorhanden?
  • Funktionieren Formulare und Links?
  • Lädt die Website schnell?
  • Werden alle Bilder korrekt angezeigt?

Für den Test nutzen Sie entweder die temporäre Testadresse des neuen Anbieters, oder Sie bearbeiten die Hosts-Datei, eine lokale Konfigurationsdatei auf Ihrem Computer. Damit leiten Sie Ihren Browser bereits auf den neuen Server, ohne dass das für andere Besucher sichtbar ist. Die meisten Anbieter erklären diesen Schritt in ihrer Dokumentation.

3.4 Schritt 4: TTL-Wert vorab verkürzen

📝 Definition: DNS-Einträge funktionieren wie eine weltweit verteilte Telefonliste. Wenn Sie Ihre Website auf einen neuen Server verlegen, muss diese Information erst überall aktualisiert werden. Die TTL (Time to Live), zu Deutsch etwa die Lebensdauer eines Eintrags, legt fest, wie lange andere Computer die alte Information zwischenspeichern, bevor sie nach Updates fragen. Standardmäßig kann das 24 Stunden oder länger dauern.

Stellen Sie den TTL-Wert 24 bis 48 Stunden vor dem Umzug auf einen sehr kurzen Wert, zum Beispiel fünf Minuten. Dann verbreitet sich die neue Information nach dem Umzug deutlich schneller, und weniger Besucher landen versehentlich noch auf dem alten Server. Sie ändern diesen Wert in den DNS-Einstellungen Ihrer Domain beim Domain-Anbieter.

3.5 Schritt 5: Die Umstellung durchführen und auf die Verbreitung warten

Jetzt geben Sie in den DNS-Einstellungen Ihrer Domain die neuen Server-Adressen ein. Ab diesem Moment beginnt die DNS-Propagation – der Prozess, bei dem sich die neue Information über die ganze Welt verbreitet. Auch mit verkürztem TTL-Wert dauert das einige Stunden.

In dieser Übergangszeit ist Ihre Website für alle erreichbar, aber nicht jeder sieht dieselbe Version: Manche Besucher landen noch auf dem alten Server, andere bereits auf dem neuen. Das ist normal und vorübergehend.

⚠️ Wichtig: Nehmen Sie in dieser Phase keine inhaltlichen Änderungen an Ihrer Website vor. Änderungen auf dem alten Server sind auf dem neuen nicht sichtbar – und umgekehrt.

Betreiben Sie E-Mail-Adressen über Ihre Domain, also zum Beispiel info@ihr-unternehmen.de, prüfen Sie, ob die E-Mail-Funktion nach dem Umzug weiterhin funktioniert. E-Mail-Einstellungen sind separate DNS-Einträge und müssen beim Wechsel eigens geprüft werden.

3.6 Schritt 6: SSL-Zertifikat aktivieren

📝 Definition: SSL ist das Sicherheitszertifikat, das die verschlüsselte Verbindung zwischen Browser und Server herstellt, erkennbar am https:// in der Adresszeile. Ohne aktives SSL-Zertifikat zeigen Browser eine Sicherheitswarnung an. Das schreckt Besucher ab und schadet Ihrer Position in den Suchmaschinenergebnissen.

Die meisten modernen Anbieter stellen kostenlose SSL-Zertifikate über Let’s Encrypt bereit und aktivieren diese automatisch. Prüfen Sie nach dem Umzug, ob das Zertifikat aktiv ist.

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3.7 Schritt 7: Alles testen und Google Search Console prüfen

Nach abgeschlossener DNS-Propagation testen Sie Ihre Website erneut, diesmal vollständig auf dem neuen Server. Prüfen Sie außerdem, ob die Google Search Console korrekt eingebunden ist.

📝 Definition: Die Google Search Console ist ein kostenloses Werkzeug von Google, mit dem Sie die Präsenz Ihrer Website in den Suchergebnissen überwachen und technische Fehler erkennen. Sind Sie dort noch nicht angemeldet, lohnt sich das nachzuholen, denn die Search Console liefert wertvolle Daten über den Zustand Ihrer Website.

4. Typische Probleme beim Webhosting wechseln und wie Sie sie lösen

  • Website wird nach dem Umzug nicht angezeigt: In den meisten Fällen sind die Datenbankverbindungsdaten in der WordPress-Konfigurationsdatei wp-config.php falsch. Prüfen Sie, ob Datenbankname, Benutzername und Passwort auf dem neuen Server korrekt eingetragen sind.
  • E-Mails kommen nicht an: Die MX-Records, die DNS-Einträge für E-Mail, wurden nicht korrekt übertragen. Prüfen Sie diese in Ihren DNS-Einstellungen.
  • Website lädt auf dem neuen Server langsam: Leeren Sie zunächst alle Caches, temporäre Zwischenspeicher, die Daten lokal ablegen, um Seiten schneller auszuliefern. Nach einem Umzug können veraltete Cache-Daten die Ladezeit beeinflussen.
  • Google indexiert nach dem Umzug falsche Seiten: Wurde beim Umzug versehentlich die Suchmaschinen-Indexierung in WordPress blockiert, zeigt sich das in der Google Search Console. Deaktivieren Sie die Blockierung unter Einstellungen → Lesen.

5. Nach dem Umzug: Den alten Vertrag kündigen

Warten Sie mit der Kündigung des alten Hosting-Vertrags, bis Sie sicher sind, dass alles auf dem neuen Server einwandfrei funktioniert, mindestens zwei Wochen nach dem Umzug.

Prüfen Sie vorher, ob beim alten Anbieter noch E-Mail-Postfächer, Datenbanken oder andere Daten liegen, die Sie benötigen. Sichern Sie alles, bevor Sie den Vertrag beenden.

6. Fazit

Ein Anbieterwechsel ist technisch anspruchsvoll, aber planbar – er verlangt Struktur und Grundkenntnisse. Wer jeden Schritt sorgfältig durchführt, wechselt ohne Ausfallzeit, ohne Datenverlust und mit einem Ergebnis, das sich messen lässt. Der häufigste Fehler ist Ungeduld: zu früh kündigen, zu wenig testen, die DNS-Propagation nicht abwarten. Wer sich die Zeit nimmt, hat danach eine technische Basis, die trägt.

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